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Forca SPS400 – Testbericht

Geschrieben von: Lefdi 9. April 2014

Wer kennt es nicht das leidige Problem des Absteigens, wenn man mit dem Bike einen schmalen Trail bergab fahren will und oben erst mal einen Stopp einlegen muss um die Sattelstütze abzusenken.
Wohl dem, der eine verstellbare Sattelstütze hat und dadurch seinen Flow nicht unterbrechen muss.
Wir haben für euch heute die SPS400 von Forca Sports im Test.
Hierbei handelt es sich um eine günstige variable Sattelstütze mit Remotehebel zum aktuellen Preis von 119,99 € laut Herstellershop.
Somit ist das eine günstige Variante, wenn man mal die Preise der Mitbewerber vergleicht.

Hier zunächst mal die technischen Daten:

  • Höhenverstellung Verstellbereich 110 mm
  • mit ‘Remote up’-Lenkerschalter
  • Mindest-Einschublänge 90 mm
  • Gewicht: ca. 500 gr.
  • Material: Aluminium 6061 T6 forged & CroMoSteel InnerTube
  • Mit 2 Durchmessern verfügbar: Ø 27,2mm und 31,6mm

Optional gibt es noch einen Spritz- und Schmutzschutz für 5,90 €, aber dazu später

Die Montage

remotehebel-forcaDie Montage der Forca SPS400 ist denkbar einfach.
Alten Sattel raus, Forca rein, Fertig…naja, nicht ganz. Nun muss man noch den Remotehebel am Cockpit vorne an gewünschter Stelle montieren und den Bowdenzug noch am Rahmen mit Kabelbindern fixieren.
Insgesamt ein Aufwand von etwa 10 Minuten.

Praxistest

Ich habe zu Beginn die Forca ganz in mein Sattelrohr gesteckt, so dass ich alle 3 Stufen nutzen konnte.
Leider musste ich aber schnell feststellen, dass dann die oberste Stufe doch ein wenig zu hoch für mich war.
Von daher habe ich die Sattelstütze nun etwas rausgezogen und nutze nun die unterste Stufe bei Abfahrten und die mittlere als Fahrstufe.
Die obere Stufe nutze ich daher nicht mehr.
Schade dass man hier nichts verstellen kann. Es geht hier um 2-3cm die die Sattelstütze für mich kürzer sein sollte.
Ich habe mal die Differenz zwischen der unteren und mittleren Stufe nachgemessen.

Somit hab ich einen möglichen Verstellbereich von 6cm zur Verfügung.
Das verstellen bzw. die Bedienung der Forca SPS400 ist etwas gewöhnungsbedürftig. Da die Verriegelung rein mechanisch gelöst wird durch einen Bowdenzug, muss man ein wenig mit seinem Popometer arbeiten.
Das bedeutet, dass man nicht einfach wie ein Irrer vorne am Remotehebel rumreisen sollte, sondern man muss das Hinterteil ein ganz klein wenig anheben um den Druck vom Bolzen zu nehmen, damit dieser entriegeln kann.
Dies ist zwar im ersten Moment sehr gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit hat man den Dreh raus und es klappt immer besser.

Mein Autorenkollege Tobias ist ebenfalls im Besitz einer Forca SPS400. Bei ihm gab es aber währende der Fahrt öfters mal Probleme mit Fehlauslösungen. In seinem Falle etwa 4-5 mal auf gerader Strecke über einen Zeitraum von 40km. Das ist schon ärgerlich, wenn einem plötzlich der Hintern wegsackt.
Zudem hatte er Probleme, dass zeitweise gar keine Auslösung möglich war.
Zwischenzeitlich wurde die Sattelstütze aber durch Forca ausgetauscht und bei der neuen konnten diese Probleme nicht mehr festgestellt werden.

Bei mir selber kam es zu keinen zufälligen Auslösungen und auch die Bedienung war immer zuverlässig.

Wie bereits Eingangs erwähnt, hatte ich zunächst alle 3 Stufen zur Verfügung bis ich aufgrund der Höhe doch etwas umschwenken musste.
Hierbei konnte ich feststellen, dass die ganz oberste Stufe nach dem Absenken nicht immer erreicht werden konnte.
Man musste hierbei an der Sattelspitze ein wenig nachhelfen indem man noch oben gezogen hat.
Auch Tobias machte diese Beobachtung. Er hat dann zunächst die Federspannung auf Anraten des Supports von Forca erhöht. Musste dann aber feststellen, dass er nicht mehr in die unterste Position kam, welche er aber für den Transport im Fahrzeug benötigt.
Zwischenzeitlich hat er die Vorspannung wieder etwas zurückgenommen hat um alle 3 Positionen überhaupt nutzen zu können jedoch mit der Folge, dass die Federspannung nicht mehr ganz ausreicht um von der mittleren in die obere Position zu gelangen. Also muss er so wie bei mir am Anfang auch, an der Sattelspitze ziehen.
Dies ist jetzt zwar kein Beinbruch, nervt aber auf Dauer weil man nach einer steilen Abfahrt mit abgesenktem Sattel eigentlich gleich weiterfahren will um den Schwung mitzunehmen und eigentlich keine Lust hat noch am Sattel zu ziehen.
Es scheint also, dass man wohl einen Kompromiss eingehen muss, mit welchen Stufen man fährt.

Nachdem ich meine Sattelstütze nun aber verändert habe (also das gesamte Konstrukt weiter aus dem Sattelrohr raus) und nun nur noch die untere und mittlere Position nutze, klappt es wunderbar.
Im Grunde brauche ich die 3. Stufe gar nicht mehr. Diese wäre mir nun eh deutlich zu hoch.

Spritz- und Staubschutz
Etwas ärgerlich fand ich in meinem Fall den Spritz- und Staubschutz.
Diesen habe ich (zumindest für mein Verständnis) so montiert, wie es der Hersteller wohl vorgesehen hat.
Also oben am Sattel mittels dem Bolzen für die Sattelhalterung fixiert und unten gabs halt nix zum festmachen.
So ergab es sich dann, dass der Faltenbalg beim hochfahren der Stütze zusammengedrückt oben fest hing.

Auf Nachfrage wurde mir dann von Forca mitgeteilt, dass die Problematik bekannt sei und man an einer anderen Ausführung des Staub- und Spritzschutzes dran wäre.
In meinem Fall wurde empfohlen den Schutz unten mit einem Kabelbinder zu fixieren.
Nun, einfach nur einen Kabelbinder unter rumwickeln hielt ich erst mal für keine gute Idee, weil ich den Gummi ja dann direkt an das Rohr presse, welches in das andere Rohr hineingleitet. Dadurch würde ich den Schutz ja erst recht oben fixieren.
Nach kurzer Überlegung habe ich dann den Schutz auf die große rote Mutter gezogen und dort mit einem Kabelbinder fixiert.
Um den Gummi überhaupt da drüber zu bekommen, habe ich zwei Reifenheber dazu verwendet.
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Damit ging es prima und es war auch schnell erledigt.
Diese Lösung ist zwar praktisch, gefällt mir optisch aber keineswegs. Und zwar aus dem Grunde, da die rote Mutter komplett verdeckt ist.
Forca bietet die Stütze in diversen Farben wir rot, grün und blau an um diese optisch dem eigenen Bike anzupassen.
Was hab ich dann davon, wenn ich ein schwarzes Verhütterli drüber ziehe?
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Hier wäre meine Bitte an die Entwickler sich eine andere Lösung zu suchen, damit gerade die farbigen Elemente nicht verdeckt werden.

staubschutz-neuWie bereits oben erwähnt fährt mein Kollege Tobias auch die Forca. Bei ihm wurde wohl schon ein anderer Spritz- und Staubschutz mit ausgeliefert.
Schaut man sich diesen aber genauer an, so ist es im Grunde der gleiche welchen ich auch habe, nur dass man bei diesem lediglich die beiden Löcher weggelassen hat, mit welchen ich den Schutz am Sattel fixiert habe.
Zudem wird dieser Schutz nun genau umgekehrt montiert, so dass ebenfalls die farbige Mutter verdeckt ist.

Damit kein Schmutz an das Rohr kommt muss der Faltenbalg oben und unten fixiert sein. Ansonsten bringt mir das ganze Teil nichts, wenn es ständig aufgerollt hängen bleibt.
Klar, durch diese neuere Lösung kann man immerhin noch etwas verhindern, dass Dreck in das innere der Sattelstütze gelangt, da der Dreck ja an dem Faltenbalg (welcher unten aufgerollt hängt) abgestreift wird.
Aber nach einer fertigen Lösung sieht das nicht aus und es besteht halt weiterhin die Gefahr, dass die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt werden könnte.

Zerlegen der Forca SPS400

Keine Sorge, mit Zerlegen meine ich hier nicht, das Teil kaputt machen, sondern auseinanderbauen.
Dies ist bei der Forca aufgrund der Bauweise und der Tatsache, dass keine Öldämpfer oder ähnliches verbaut ist, wirklich einfach und in ein paar Minuten erledigt.

WICHTIGER HINWEIS
Bitte achtet vor dem zerlegen der Sattelstütze darauf, dass diese komplett ausgefahren ist um die Spannung von der Feder zu nehmen.

Ich habe dazu die SPS400 komplett vom Bike demontiert, also auch den Remotehebel. Diesen könnt ihr aber auch am Bike lassen, also die Kabelbinder müssen nicht immer erneuert werden.
Damit es aber anschaulicher ist, hab ich sie für euch ganz abgebaut.
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So, da liegt es nun das gute Stück.

Zunächst muss man die Arretierung an der Sattelstütze entfernen, an welcher auch gleichzeitig der Bowdenzug der Remotebedienung sitzt.
Also einfach die Schraube aufdrehen und den Arretierungsbolzen mit herausziehen.
Dann kann man sich den Bolzen in aller Ruhe mal anschauen.

Ich habe meinem Bolzen dann gleich noch ein klein wenig Fett spendiert, damit er leichter in die vorgesehenen Löcher flutscht.
Nun kann man den Remotehebel und den Bowdenzug zur Seite legen.

forca-sps400-zerlegen17Nun öffnet man die Verschraubung die über dem Anschluss des Arretierungsbolzens liegt.

forca-sps400-zerlegen19Ist diese ganz geöffnet, werden durch die noch leicht vorhandene Spannung der Feder die beiden Teile etwas auseinandergedrückt.

forca-sps400-zerlegen20Jetzt kann man das innere Rohr (an welchem der Sattel montiert ist) komplett raus ziehen und zur Seite legen.

Schaut man dann von oben in das Rohr, welches in das Sattelrohr gesteckt wird, so kann man schon die Feder erkennen.
Da diese aber bei mir zumindest nicht von alleine raus wollte, habe ich von unten nachgeschoben.

Und schon kann man die Feder (bei Bedarf) komplett rauziehen.
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Hat man dann seine entsprechenden Wartungsarbeiten erledigt, schiebt man den oberen Teil der Sattelstütze wieder in den unteren.
Keine Sorge, da könnt ihr nicht viel Falsch machen. Forca hat den unteren Teil mit einer seitlichen Nut versehen, so dass man den oberen Teil eigentlich gar nicht anders montieren kann.
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Also einfach das Oberteil wieder in das Unterteil schieben, Verschrauben und fertig ist die Laube.
Klar, den Bolzen für die Arretierung und die Remotebedienung natürlich auch wieder einsetzen, sonst könnte es beim nächsten Aufsitzen eine nette Überraschung geben ;-)

Fazit

Die Forca SPS400 ist eine gute und robuste Sattelstütze die nach einer Eingewöhnungszeit auch gut funktioniert.
In Bezug auf die Wartung und das Zerlegen der Sattelstütze kann man hier nur sagen: Easy.
Ohne viel Aufwand und vor allem ohne spezielles Werkzeug kann man die komplette SPS400 auseinandernehmen, reinigen, schmieren oder fetten. Durch das Abschrauben der Verriegelung kann man die Remotebedienung sogar am Lenker belassen.
Abstriche muss man aber dann machen, wenn man die letzte Position der Sattelstütze nutzt. Im Laufe der Zeit wird diese nicht immer sauber erreicht. Dies kann an der Federspannung liegen, oder aber auch daran, dass die Sattelstütze verschmutzt was uns gleich zum nächsten Schwachpunkt führt.
Dem Schmutz- und Staubschutz.
Hier hat man zwar nachgearbeitet in Form eines neuen Schutzes, aber auch dieser wird nur an einer Stelle fixiert und kann sich daher bei der Bedienung aufrollen.
Somit ist ein Schmutzschutz nicht dauerhaft gewährleistet und kann unter Umständen zur Beeinträchtigung der Funktion führen.

Alles in allem darf man aber den Preis von 119,99 € nicht aus den Augen lassen. Während die Mitbewerber bei teilweise erst 200 € anfangen, hat man hier eine gute Alternative. Vor allem wenn man auch bedenkt, dass die Wartungskosten doch extrem niedrig sind bei der Forca SPS400.

Daher muss man fairerweise sagen, dass das Preis-/Leistungsverhältnis hier doch sehr gut ist.
Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mit der Sattelstütze sehr zufrieden bin und vom Preis her nehme ich den ein oder anderen Kritikpunkt daher gerne in Kauf.
Vor allem, weil bei mir die Sattelstütze genau das macht was sie soll und zwar ohne Probleme.